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Der Kauf neuer Fenster ist eine Entscheidung für Jahrzehnte. Doch worauf kommt es wirklich an? Im Internet finden Sie unzählige Ratgeber voller Fachbegriffe wie U-Wert, g-Wert, Dreifachverglasung und warme Kante. In diesem Artikel erklären wir verständlich, was diese Begriffe bedeuten und worauf Sie bei der Fensterauswahl achten sollten – ohne Verkaufsfloskeln, dafür mit ehrlichen Empfehlungen aus unserer Praxis.

Die wichtigsten Kennzahlen verstehen

Beim Fensterkauf werden Sie mit verschiedenen U-Werten konfrontiert. Diese Zahlen beschreiben, wie viel Wärme durch ein Bauteil entweicht – je niedriger, desto besser die Dämmung.

KennzahlWas sie misstGute Werte
Ug-WertWärmedurchgang nur durch das Glas0,5–0,7 W/m²K (Dreifach)
1,0–1,1 W/m²K (Zweifach)
Uf-WertWärmedurchgang durch den Rahmen1,0–1,3 W/m²K
Uw-WertWärmedurchgang des gesamten Fensters (Glas + Rahmen)0,8–1,0 W/m²K
Ψ-Wert (Psi)Wärmeverlust am Glasrandverbundunter 0,04 W/mK (warme Kante)
U-Werte und ihre Bedeutung – je niedriger, desto besser

Wichtig: Achten Sie beim Vergleich von Angeboten immer auf den Uw-Wert (das gesamte Fenster), nicht nur auf den Ug-Wert (nur das Glas). Ein Verkäufer, der nur den Ug-Wert nennt, verschweigt möglicherweise einen schlechten Rahmenwert.

Zweifach- oder Dreifachverglasung?

Diese Frage stellen sich viele Bauherren. Die Antwort hängt von Ihren Prioritäten und dem Gebäude ab.

KriteriumZweifachverglasungDreifachverglasung
Ug-Wert (typisch)1,0–1,1 W/m²K0,5–0,7 W/m²K
GewichtLeichterEtwa 50% schwerer
PreisGünstiger10–20% teurer
SchallschutzGutSehr gut
Kondensationsrisiko innenHöher (kältere Oberfläche)Geringer (wärmere Oberfläche)
Solargewinne (g-Wert)Höher (~62%)Niedriger (~50%)
Vergleich Zweifach- vs. Dreifachverglasung

Wann reicht Zweifachverglasung?

  • Bei älteren, weniger gedämmten Gebäuden (die Fenster sollten nicht besser dämmen als die Wand)
  • Bei sehr großen Südfenstern, wo Solargewinne erwünscht sind
  • Bei begrenztem Budget, wenn der Rahmen hochwertig ist

Wann ist Dreifachverglasung sinnvoll?

  • Bei Neubauten und energetisch sanierten Gebäuden (Standard heute)
  • Bei Passivhäusern und KfW-Effizienzhäusern (oft Pflicht)
  • Wenn Kondensation ein Problem ist (wärmere Scheibenoberfläche)
  • Bei hohen Anforderungen an Schallschutz

Unser Hinweis zur Kondensation: Eine Dreifachverglasung bleibt auf der Innenseite wärmer als eine Zweifachverglasung. Das bedeutet: Der Taupunkt wird später erreicht, Kondenswasser bildet sich seltener. Wenn Sie in Räumen mit hoher Luftfeuchtigkeit (Bad, Küche, Schlafzimmer) Probleme mit beschlagenen Scheiben haben, kann eine Dreifachverglasung helfen – aber nur, wenn auch die Luftfeuchtigkeit im Raum kontrolliert wird. Mehr dazu in unserem Artikel: Wie kann man Kondensation an Kunststofffenstern reduzieren?

Die warme Kante – unterschätzter Faktor

Der Randverbund – also die Verbindung zwischen den Glasscheiben am Rand – wird oft übersehen. Traditionell wurde hier Aluminium verwendet, das Wärme hervorragend leitet. Das Ergebnis: Am Scheibenrand wird es kalt, Kondenswasser bildet sich zuerst dort.

Die Lösung heißt „warme Kante“ (Warm Edge): Abstandhalter aus Kunststoff oder Edelstahl statt Aluminium. Der Unterschied ist messbar:

RandverbundΨ-Wert (Psi)Auswirkung
Aluminium (Standard alt)0,08–0,11 W/mKKalter Rand, Kondensation wahrscheinlich
Edelstahl0,05–0,06 W/mKBesser, aber nicht optimal
Kunststoff (Warm Edge)0,03–0,04 W/mKWarmer Rand, Kondensation minimiert
Vergleich der Randverbund-Materialien

Unsere Empfehlung: Bei neuen Fenstern immer auf warme Kante bestehen. Der Aufpreis ist gering, der Nutzen groß – besonders wenn Sie Kondensation am Scheibenrand vermeiden wollen.

Rahmenmaterial: Kunststoff, Aluminium oder Holz?

Die Wahl des Rahmenmaterials ist oft eine Frage des Geschmacks und des Budgets. Jedes Material hat seine Berechtigung.

EigenschaftKunststoff (PVC)AluminiumHolzHolz-Alu
WärmedämmungSehr gutGut (mit Dämmsteg)Sehr gutSehr gut
PflegeaufwandMinimalMinimalHoch (streichen)Minimal außen
Lebensdauer30–50 Jahre40–60 Jahre30–50 Jahre (gepflegt)50+ Jahre
OptikModern, schlichtSchlank, elegantNatürlich, warmInnen warm, außen modern
Preisniveau€€€€€€€€€
NachhaltigkeitRecyclebarSehr gut recyclebarNachwachsendKombination
Große ElementeBegrenztIdealBegrenztGut
Vergleich der Rahmenmaterialien

Kunststoff (PVC) – der Klassiker

Kunststofffenster dominieren den Markt – aus gutem Grund. Sie bieten ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis, benötigen kaum Pflege und haben sehr gute Dämmeigenschaften. Moderne PVC-Fenster sind weit entfernt vom „Plastik-Look“ früherer Jahrzehnte und können in vielen Farben und Dekoren gefertigt werden.

Aluminium – für große Flächen

Aluminiumfenster glänzen dort, wo große Glasflächen gefragt sind. Die schlanken Profile ermöglichen mehr Lichteinfall. Moderne Aluminiumfenster haben einen thermisch getrennten Aufbau (Dämmsteg), der die frühere Schwäche – schlechte Wärmedämmung – weitgehend ausgleicht. Sie sind ideal für bodentiefe Fenster, Schiebetüren und repräsentative Fassaden.

Holz – natürlich, aber pflegeintensiv

Holzfenster haben eine unvergleichliche Ausstrahlung und hervorragende Dämmeigenschaften. Der Nachteil: Sie müssen regelmäßig (alle 5–10 Jahre) gestrichen oder lasiert werden. Für denkmalgeschützte Gebäude sind sie oft die einzige Option.

Holz-Aluminium – das Beste beider Welten?

Holz-Alu-Fenster kombinieren die warme Optik von Holz innen mit der Witterungsbeständigkeit von Aluminium außen. Der hohe Preis macht sie zu einer Premium-Lösung für Bauherren, die Kompromisse scheuen.

Der g-Wert: Solargewinne nutzen

Neben dem U-Wert ist der g-Wert (Gesamtenergiedurchlassgrad) wichtig. Er gibt an, wie viel Sonnenenergie durch das Glas ins Haus gelangt.

VerglasungTypischer g-WertBedeutung
Zweifachverglasung60–65%Mehr Solargewinne, aber auch mehr Wärmeverlust
Dreifachverglasung50–55%Weniger Solargewinne, aber bessere Dämmung
Sonnenschutzglas25–40%Reduziert Überhitzung im Sommer
g-Werte verschiedener Verglasungen

Praxistipp: Bei großen Südfenstern können Solargewinne im Winter die Heizkosten senken. Bei großen West- und Ostfenstern ist Sonnenschutzglas sinnvoll, um Überhitzung im Sommer zu vermeiden. Nordfenster: Hier zählt nur die Dämmung – je niedriger der U-Wert, desto besser.

Beschläge – das unterschätzte Bauteil

Die besten Gläser und Rahmen nützen wenig, wenn die Beschläge minderwertig sind. Beschläge sind für das Öffnen, Schließen und die Dichtigkeit des Fensters verantwortlich.

Worauf achten?

  • Markenqualität: Siegenia, Roto, Winkhaus, Maco – bewährte Hersteller
  • Einstellbarkeit: Gute Beschläge lassen sich in drei Dimensionen justieren
  • Pilzkopfverriegelung: Erhöht den Einbruchschutz
  • Wartung: Beschläge sollten jährlich geölt und bei Bedarf nachgestellt werden

Falsch eingestellte Beschläge können zu Zugluft, Kondensation und erhöhtem Verschleiß der Dichtungen führen. Wie Sie Ihre Fensterbeschläge selbst einstellen können, erfahren Sie in unserem Artikel: Wie kann man Fensterbeschläge richtig einstellen?

Montage – genauso wichtig wie das Fenster

Das beste Fenster ist nur so gut wie seine Montage. Eine fehlerhafte Einbausituation kann alle Vorteile zunichte machen.

MontageaspektRichtigFalsch
Anschluss Rahmen-WandInnen dampfdicht, außen dampfdurchlässigNur Bauschaum, keine Folien
Fensterbank-AnschlussWärmegedämmt (warme Fensterbank)Direkter Kontakt zur Außenwand
LaibungGedämmt, keine WärmebrückenUngedämmt, Putz direkt am Rahmen
BefestigungRahmendübel oder MontageankerNur Bauschaum ohne mechanische Befestigung
Richtige vs. falsche Fenstermontage

Ein häufiges Problem: „Es zieht unter dem neuen Fenster.“ Das liegt oft nicht am Fenster selbst, sondern an einer Wärmebrücke im Bereich der Fensterbank. Die Lösung: eine wärmegedämmte Fensterbank (Thermo FBA). Mehr dazu in unserem Artikel: Weht es unter dem Fenster? Ursachen und Lösungen

Checkliste für den Fensterkauf

Fragen Sie bei jedem Angebot nach diesen Punkten:

FrageWarum wichtig?
Wie hoch ist der Uw-Wert (gesamtes Fenster)?Entscheidend für die tatsächliche Dämmung
Welche Verglasung? (Ug-Wert)Zweifach oder Dreifach?
Welcher Randverbund? (Warm Edge?)Vermeidet Kondensation am Rand
Welcher Beschlaghersteller?Qualität und Ersatzteilversorgung
Wie wird montiert?RAL-Montage oder nur Bauschaum?
Was ist im Preis enthalten?Montage, Ausbau alt, Entsorgung?
Wie lange ist die Garantie?Seriöse Anbieter geben 5+ Jahre
Checkliste: Diese Fragen sollten Sie stellen

Häufige Fragen zum Fensterkauf (FAQ)

Lohnt sich Dreifachverglasung bei Altbauten?

Nicht immer. Wenn die Wände schlecht gedämmt sind, kann eine zu gute Fensterdämmung dazu führen, dass sich Feuchtigkeit an der Wand statt am Fenster niederschlägt – mit Schimmelrisiko. Bei unsanierten Altbauten ist manchmal eine gute Zweifachverglasung die bessere Wahl. Lassen Sie sich individuell beraten.

Warum beschlagen meine neuen Fenster von außen?

Das ist ein gutes Zeichen! Außenkondensation zeigt, dass Ihre Fenster so gut dämmen, dass kaum Wärme nach außen dringt. Die Außenscheibe wird dadurch so kalt, dass sich Tau aus der Außenluft darauf absetzt. Besonders bei Dreifachverglasung in klaren, kühlen Nächten völlig normal.

Wie lange halten Kunststofffenster?

Bei guter Qualität und normaler Pflege 30–50 Jahre. Die Dichtungen sollten nach 15–20 Jahren geprüft und bei Bedarf ersetzt werden. Beschläge benötigen jährlich etwas Öl und gelegentlich eine Nachjustierung.

Was kostet ein gutes Fenster?

Richtwerte für ein Standard-Kunststofffenster (100 × 120 cm) mit Dreifachverglasung und guten Beschlägen: 300–500 € ohne Montage. Aluminiumfenster liegen etwa 50–100% darüber. Die Montage kostet zusätzlich 100–200 € pro Fenster, abhängig von der Einbausituation.

Unser Rat zum Schluss

Der günstigste Anbieter ist selten der beste. Fenster sind eine Investition für Jahrzehnte – sparen Sie nicht am falschen Ende. Achten Sie auf:

  • Gesamten Uw-Wert, nicht nur Ug-Wert
  • Warme Kante (Warm Edge) als Standard
  • Qualitätsbeschläge von Markenherstellern
  • Fachgerechte Montage mit Wärmedämmung der Anschlüsse

Haben Sie Fragen zur Fensterauswahl oder möchten Sie ein Angebot? Kontaktieren Sie uns – wir beraten Sie ehrlich und finden die passende Lösung für Ihr Projekt.

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