Neue Fenster sind dicht – und das ist auch gut so. Dichtigkeit bedeutet niedrigere Heizkosten, keine Zugluft und bessere Schalldämmung. Ein Problem entsteht erst dann, wenn wir eine Sache vergessen: Ein dichtes Gebäude braucht eine bewusste Lüftungsstrategie. In diesem Artikel erklären wir, warum Ihre neuen Fenster „nicht atmen“ (und das auch nicht sollen!) und wie Sie für frische Luft sorgen, ohne Energie zu verschwenden.
Wie wurden alte Häuser belüftet?
Jahrzehntelang funktionierte die Lüftung in Häusern „von selbst“. Alte Holzfenster hatten Ritzen und Spalten, durch die ständig Luft eindrang. Die Schwerkraftlüftung in Küche und Bad zog die verbrauchte Luft ab, frische Luft strömte durch die undichten Fenster nach. Das System war einfach und erforderte keine Aufmerksamkeit der Bewohner.
Es gab jedoch ein Problem: Zusammen mit der frischen Luft kam auch die Kälte ins Haus. Das Ergebnis? Zugluft am Boden, kalte Füße, hohe Heizkosten und das charakteristische „es zieht vom Fenster“. Deshalb haben die Menschen ihre Fenster gegen dichte ausgetauscht – und das war richtig so.
Was ändert sich nach dem Fenstertausch?
Moderne Kunststoff- oder Aluminiumfenster sind praktisch hermetisch. Das ist ein großer Vorteil für die Wärmedämmung, bedeutet aber auch, dass das alte Lüftungssystem nicht mehr funktioniert. Die Schwerkraftlüftung braucht Zuluft von außen – wenn diese fehlt, steht die Luft im Haus still.
| Aspekt | Alte undichte Fenster | Neue dichte Fenster |
|---|---|---|
| Luftinfiltration | Ständig, unkontrolliert | Keine |
| Wärmeverlust durch Fenster | Sehr hoch | Minimal |
| Thermischer Komfort | Zugluft, kalte Zonen | Gleichmäßige Temperatur |
| Schwerkraftlüftung | Funktioniert automatisch | Erfordert bewusstes Handeln |
| Luftfeuchtigkeit im Haus | Niedrig (entweicht nach außen) | Sammelt sich in den Räumen |
| Heizkosten | Hoch | Deutlich niedriger |
Wie Sie sehen, gewinnen neue Fenster in fast allen Kategorien. Der einzige „Nachteil“ ist die Notwendigkeit des bewussten Lüftens – aber ist das wirklich ein Problem?
Symptome schlechter Lüftung
Woher wissen Sie, dass es im Haus an frischer Luft mangelt? Der Körper gibt deutliche Signale, obwohl wir sie oft ignorieren oder anderen Ursachen zuschreiben:
| Symptom | Ursache | Was passiert? |
|---|---|---|
| Morgendliche Müdigkeit, Kopfschmerzen | Erhöhter CO₂-Spiegel | Nachts atmen wir CO₂ aus, das sich im Schlafzimmer ansammelt |
| Gefühl von Schwüle, „schwere Luft“ | Fehlender Luftaustausch | Verbrauchter Sauerstoff, hohe Luftfeuchtigkeit |
| Kondenswasser an Fenstern | Hohe Luftfeuchtigkeit | Wasserdampf hat keinen Ausweg |
| Muffiger Geruch | Beginnende Schimmelbildung | Feuchtigkeit setzt sich an kalten Oberflächen ab |
| Allergien, gereizte Atemwege | Schimmelsporen, Milben | Feuchte Umgebung begünstigt Allergene |
| Konzentrationsschwierigkeiten | Sauerstoffmangel | Das Gehirn braucht frische Luft |
Wenn Sie diese Symptome erkennen, liegt das Problem wahrscheinlich nicht an den Fenstern – es liegt am fehlenden Luftaustausch. Mehr über Kondenswasser an Fenstern lesen Sie in unserem Artikel: Wie kann man Kondensation an Kunststofffenstern im Winter reduzieren?
Wie viel CO₂ produzieren wir?
Jeder Mensch atmet etwa 20 Liter CO₂ pro Stunde aus. In einem geschlossenen Schlafzimmer mit zwei Personen kann der CO₂-Spiegel von normalen 400 ppm (draußen) auf über 2000 ppm in einer einzigen Nacht ansteigen. Über 1000 ppm verspüren wir Unbehagen, über 2000 ppm treten Kopfschmerzen und Konzentrationsprobleme auf.
| CO₂-Spiegel | Wo anzutreffen | Wie wir uns fühlen |
|---|---|---|
| 400 ppm | Frische Außenluft | Optimal |
| 600–800 ppm | Gut belüfteter Raum | Komfortabel |
| 1000–1200 ppm | Typisches Büro, Klassenzimmer | Leichtes Unbehagen, Schläfrigkeit |
| 1500–2000 ppm | Überfüllter, ungelüfteter Raum | Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten |
| Über 2000 ppm | Schlafzimmer nach einer Nacht ohne Lüftung | Kopfschmerzen, Unwohlsein |
Deshalb ist es so wichtig, das Schlafzimmer vor dem Schlafengehen und nach dem Aufwachen zu lüften. Es geht nicht um die Fenster – es geht um Ihre Gesundheit.
Lösungen: Von kostenlos bis Investition
Es gibt mehrere Möglichkeiten, für frische Luft in einem dichten Haus zu sorgen. Sie unterscheiden sich in Kosten, Komfort und Energieeffizienz.
1. Manuelles Lüften (Kosten: 0 €)
Die einfachste Methode: Fenster 2–3 Mal täglich für 5–10 Minuten öffnen. Am besten Querlüften (Fenster auf gegenüberliegenden Seiten der Wohnung), um die Luft in 2–3 Minuten auszutauschen.
Vorteile: Kostenlos, sofort, sehr effektiv.
Nachteile: Erfordert Disziplin, im Winter muss man sich kurz „überwinden“.
2. Fensterlüfter – lohnt sich das?
Fensterlüfter (Fensterfalzlüfter) werden oft in Neubauten installiert, weil die Bauvorschriften (DIN 1946-6) dies verlangen. Die Vorschriften sehen eine „nutzerunabhängige Grundlüftung“ vor – das heißt, das Haus muss sich lüften, auch wenn der Bewohner nichts tut.
Klingt vernünftig? In der Theorie ja. In der Praxis sieht es anders aus:
| Aspekt | Fensterlüfter | Manuelles Lüften |
|---|---|---|
| Luftaustausch | Minimal, kontinuierlich | Vollständig, schnell |
| Wärmeverlust | Kontinuierlich (24/7) | Kurzzeitig (einige Minuten) |
| Kontrolle | Eingeschränkt | Vollständig |
| Außenlärm | Dringt ständig ein | Nur während des Lüftens |
| Reaktion der Bewohner | Oft mit Watte zugestopft | Natürliches Verhalten |
Unsere Position: Bei Norta empfehlen wir keine Fensterlüfter. Wir sind der Meinung, dass sie dem Konzept eines dichten, warmen Fensters widersprechen. Sie kaufen ein Fenster mit hervorragenden Dämmeigenschaften – und machen dann ein Loch hinein? Warum dann für Dreifachverglasung und warme Kante bezahlen?
Wir wissen, dass viele Menschen Fensterlüfter einbauen, weil es laut Vorschriften „sein muss“. Und dann stopfen sie sie zu, weil es zieht und kalt ist. Wir sagen unseren Kunden lieber direkt: Öffnen Sie die Fenster zweimal täglich oder investieren Sie in eine Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung. Das sind ehrliche Lösungen.
3. Lüftung mit Wärmerückgewinnung – der goldene Mittelweg
Wärmerückgewinnung (Rekuperation) ist ein System, das verbrauchte Luft abführt und frische Luft zuführt, dabei aber die Wärme aus der Abluft zurückgewinnt. Das Ergebnis? Frische Luft ohne Energieverlust.
| Typ der Wärmerückgewinnung | Für wen geeignet | Wärmerückgewinnung | Installationskosten |
|---|---|---|---|
| Zentral | Neubauten, Generalsanierungen | 85–95% | Hoch (Kanäle im ganzen Haus) |
| Dezentral | Bestandsgebäude, Wohnungen | 70–90% | Mittel (Montage in der Wand) |
Dezentrale Wohnraumlüftung ist eine besonders interessante Lösung für bestehende Häuser. Sie erfordert keine Verlegung von Lüftungskanälen durch das gesamte Gebäude. Die Montage besteht darin, eine Öffnung in der Außenwand (Durchmesser ca. 16–20 cm) zu bohren und das Gerät zu installieren. Nach unserer Erfahrung funktioniert das ausgezeichnet – wir selbst verwenden Mitsubishi-Rekuperatoren und können sagen, dass der Unterschied in der Luftqualität vom ersten Tag an spürbar ist.

Wirtschaftlicher Vergleich der Lüftungsmethoden
Welche Methode ist am wirtschaftlichsten? Das hängt von der zeitlichen Perspektive ab:
| Methode | Anfangskosten | Wärmeverlust | Komfort | Anmerkungen |
|---|---|---|---|---|
| Manuelles Lüften | 0 € | Niedrig (kurzes Lüften) | Erfordert Disziplin | Beste Option für disziplinierte Menschen |
| Fensterlüfter | 100–300 € | Hoch (kontinuierlich) | Automatisch, aber lästig | Nicht empfohlen |
| Dezentrale Wärmerückgewinnung | 800–1500 € pro Gerät | Minimal (70–90% Rückgewinnung) | Vollautomatisch | Bester Kompromiss für Bestandsgebäude |
| Zentrale Wärmerückgewinnung | 5000–15000 € | Minimal (85–95% Rückgewinnung) | Vollautomatisch | Rentabel bei Neubau/Generalsanierung |
Dichte Fenster sind ein Vorteil, kein Problem
Fassen wir zusammen: Wenn Sie nach dem Fenstertausch Probleme mit Feuchtigkeit, Kondenswasser oder stickiger Luft haben – geben Sie nicht den Fenstern die Schuld. Sie tun genau das, wofür sie entwickelt wurden: Sie schützen vor Kälte, Lärm und Energieverlusten.
Das Problem liegt in unseren Gewohnheiten. Jahrelang haben wir uns daran gewöhnt, dass das Haus „von selbst atmet“. Ein modernes, dichtes Haus verlangt von uns eine einfache Sache: bewusstes Lüften oder eine Investition in ein Lüftungssystem.
Das Leben ist ein Kompromiss. Sie müssen wählen zwischen:
- Frischer Luft atmen (Gesundheit, Komfort, besserer Schlaf)
- Energiesparen um jeden Preis (was mit Gesundheitsproblemen und Feuchtigkeit endet)
Wir bei Norta setzen auf Gesundheit. Deshalb empfehlen wir die Wärmerückgewinnung als goldenen Mittelweg – frische Luft ohne Wärmeverschwendung. Und wenn das eine zu große Investition ist, reicht Disziplin: Fenster weit auf, zweimal täglich, fünf Minuten. Einfach und effektiv.
FAQ – Häufig gestellte Fragen
Sind dichte Fenster gesund?
Ja, vorausgesetzt Sie sorgen für Lüftung. Die Fenster selbst sind nicht das Problem – das Problem ist der fehlende Luftaustausch. Dichte Fenster in Kombination mit regelmäßigem Lüften oder Wärmerückgewinnung sind die ideale Lösung.
Kann ich das Fenster auf Spaltlüftung (Mikroventilation) lassen?
Mikroventilation ist besser als nichts, aber weit vom Ideal entfernt. Sie verursacht ständige, geringe Wärmeverluste rund um die Uhr. Besser ist es, das Fenster für einige Minuten weit zu öffnen, als es stundenlang auf Mikroventilation zu lassen. Mehr zur Fenstereinstellung lesen Sie hier: Wie kann man Fensterbeschläge richtig einstellen?
Ist die Wärmerückgewinnung laut?
Moderne dezentrale Lüftungsgeräte arbeiten sehr leise – auf der niedrigsten Stufe sind sie praktisch unhörbar (unter 25 dB). Man kann sie sogar im Schlafzimmer installieren, ohne Angst vor Schlafstörungen.
Was kostet die Installation einer dezentralen Lüftung?
Ein Gerät kostet etwa 800–1500 € inklusive Montage. Für eine typische Wohnung braucht man 2–3 Geräte. Das ist eine Investition, die sich durch niedrigere Heizkosten und bessere Gesundheit der Bewohner auszahlt.
Brauchen Sie Beratung?
Wenn Sie über einen Fenstertausch nachdenken und sich wegen der Lüftung Sorgen machen, sprechen Sie mit uns. Wir beraten Sie, welche Lösung in Ihrer Situation am besten ist – ohne Produkte aufzudrängen, die wir selbst nicht wählen würden. Und wenn Sie sich für dezentrale Wärmerückgewinnung interessieren, erzählen wir gerne von unseren Erfahrungen mit der Montage.
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