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Wie kann man die Kondensation an Kunststofffenstern im Winter reduzieren?

Im Winter ist Kondensation an Kunststofffenstern ein häufiges Problem. Wassertropfen auf den Scheiben können Schimmelbildung, Schäden an den Fensterrahmen und ein allgemeines Unbehagen im Wohnraum verursachen. Warum passiert das und wie kann man es verhindern? In diesem Artikel erklären wir die physikalischen Hintergründe und zeigen Ihnen bewährte Lösungen – einschließlich unserer ehrlichen Meinung zu manchen „Standardlösungen“.

Was ist Kondensation und warum entsteht sie?

Kondensation ist ein physikalischer Prozess: Wenn warme, feuchte Luft auf eine kalte Oberfläche trifft, kühlt sie ab und kann die Feuchtigkeit nicht mehr halten. Das Wasser „fällt aus“ – genau wie bei einer kalten Flasche, die aus dem Kühlschrank kommt und sofort beschlägt.

Der entscheidende Begriff ist der Taupunkt: Das ist die Temperatur, bei der die Luft ihre Feuchtigkeit abgibt. Bei einer Raumtemperatur von 20°C und 60% Luftfeuchtigkeit liegt der Taupunkt bei etwa 12°C. Ist Ihre Fensterscheibe kälter als 12°C, bildet sich Kondenswasser.

Woher kommt die Feuchtigkeit in Ihrer Wohnung?

Viele Menschen unterschätzen, wie viel Feuchtigkeit im Alltag entsteht. Eine vierköpfige Familie produziert täglich etwa 10-15 Liter Wasserdampf – allein durch normale Aktivitäten:

AktivitätFeuchtigkeit pro Tag
Atmen und Schwitzen (4 Personen)4–6 Liter
Duschen/Baden1–2 Liter
Kochen2–3 Liter
Wäsche trocknen (in der Wohnung)2–4 Liter
Zimmerpflanzen0,5–1 Liter
Gesamt10–15 Liter
Tägliche Feuchtigkeitsproduktion eines durchschnittlichen 4-Personen-Haushalts

Diese Feuchtigkeit muss irgendwo hin. In alten Häusern mit undichten Fenstern entwich sie durch Ritzen und Spalten. Moderne, dichte Fenster halten diese Feuchtigkeit im Raum – was grundsätzlich gut ist, aber eine bewusste Lüftungsstrategie erfordert.

Schnelltest: Ist es die Luftfeuchtigkeit oder das Fenster?

Bevor Sie nach Lösungen suchen, sollten Sie die Ursache kennen. Hier ist ein einfacher Test:

BeobachtungWahrscheinliche UrsacheLösung
Kondenswasser auf der Innenseite der ScheibeZu hohe Luftfeuchtigkeit im RaumLüftung verbessern
Kondenswasser zwischen den ScheibenDefekte GlasversiegelungGlasaustausch notwendig
Kondenswasser nur am ScheibenrandWärmebrücke am RandverbundGlas mit „warmer Kante“ erwägen
Kondenswasser nur an einem FensterMöglicherweise falsche BeschlageinstellungBeschläge prüfen und einstellen
Diagnose: Wo bildet sich das Kondenswasser?

Tritt das Problem nur an einem Fenster auf, während andere trocken bleiben? Dann könnte die Beschlageinstellung das Problem sein. Lesen Sie dazu unseren Artikel: Wie kann man Fensterbeschläge richtig einstellen?

Die optimale Luftfeuchtigkeit

Für ein gesundes Raumklima empfehlen Experten eine relative Luftfeuchtigkeit zwischen 40% und 60%. Hier eine Übersicht, was verschiedene Werte bedeuten:

LuftfeuchtigkeitBewertungAuswirkungen
Unter 30%Zu trockenTrockene Schleimhäute, Reizhusten, statische Aufladung
30–40%AkzeptabelLeicht trocken, aber keine Kondensationsprobleme
40–60%OptimalGesundes Raumklima, geringe Kondensationsgefahr
60–70%ErhöhtKondensation an kalten Oberflächen möglich
Über 70%Zu hochStarke Kondensation, Schimmelgefahr
Bewertung der relativen Luftfeuchtigkeit im Wohnraum

Ein einfaches Hygrometer (ab ca. 10 Euro erhältlich) zeigt Ihnen die aktuelle Luftfeuchtigkeit an und hilft Ihnen, das Problem besser einzuschätzen.

Lösungen: Von kostenlos bis Investition

1. Stoßlüften – die effektivste kostenlose Methode

Die einfachste und effektivste Methode ist das Stoßlüften: Öffnen Sie die Fenster 2–3 Mal täglich für 5–10 Minuten vollständig. Idealerweise erzeugen Sie einen Durchzug, indem Sie gegenüberliegende Fenster gleichzeitig öffnen.

Warum Stoßlüften besser ist als Kipplüften:

MethodeLuftaustauschWärmeverlustZeitbedarf
Stoßlüften (Fenster weit offen)Vollständig in 5–10 Min.Gering (kurze Zeit)5–10 Minuten
KipplüftenSehr langsamHoch (dauerhaft)Stunden
Querlüften (Durchzug)Vollständig in 2–5 Min.Minimal2–5 Minuten
Vergleich der Lüftungsmethoden

Beim Kipplüften kühlen die Wände aus, während der Luftaustausch nur langsam erfolgt – das Gegenteil von dem, was wir wollen. Kurzes, intensives Lüften tauscht die Luft aus, ohne dass die Bausubstanz auskühlt.

2. Feuchtigkeitsquellen reduzieren

Kleine Änderungen im Alltag können viel bewirken:

  • Beim Kochen: Deckel auf den Topf, Dunstabzugshaube einschalten (mit Abluft nach außen, nicht Umluft)
  • Nach dem Duschen: Badezimmer sofort lüften, Tür zu anderen Räumen geschlossen halten
  • Wäsche: Nicht in der Wohnung trocknen – wenn unvermeidbar, dann im geschlossenen Raum mit geöffnetem Fenster
  • Aquarien und viele Zimmerpflanzen: Sind Feuchtigkeitsquellen, die man im Winter berücksichtigen sollte

3. Raumtemperatur konstant halten

Kalte Räume bedeuten kalte Fensterscheiben – und damit mehr Kondensation. Halten Sie alle Räume auf mindestens 16–18°C, auch wenn Sie sie nicht ständig nutzen. Die Heizkosten für eine Grundtemperatur sind geringer als die Kosten für Schimmelbeseitigung.

4. Möbel von Außenwänden abrücken

Schränke und Sofas direkt an Außenwänden verhindern die Luftzirkulation. Halten Sie mindestens 5–10 cm Abstand, damit die Luft zirkulieren kann und keine kalten, feuchten Zonen entstehen.

Unsere ehrliche Meinung zu Fensterlüftern

Viele Ratgeber empfehlen Fensterlüfter (Fensterfalzlüfter) als Lösung gegen Kondensation. Wir bei Norta sehen das anders – und möchten erklären, warum.

Warum werden Fensterlüfter überhaupt installiert? Die deutschen Bauvorschriften (DIN 1946-6) verlangen eine „nutzerunabhängige Grundlüftung“ in Neubauten. Das bedeutet: Es muss eine minimale Frischluftzufuhr gewährleistet sein, auch wenn niemand die Fenster öffnet. Fensterlüfter erfüllen diese Norm auf dem Papier – aber zu welchem Preis?

Das Problem: Sie investieren in hochwertige, dichte Fenster mit exzellenten Wärmedämmwerten – und dann bohren Sie absichtlich ein Loch hinein? Das ist, als würden Sie eine Winterjacke kaufen und dann die Taschen herausschneiden.

Die Realität zeigt: Viele Hausbesitzer stopfen ihre Fensterlüfter nach dem ersten Winter mit Watte oder Schaumstoff zu, weil es zieht und die Heizkosten steigen. Die Norm ist erfüllt, aber der Nutzen gleich null.

Unsere Position: Bei Norta empfehlen wir nur Lösungen, die wir selbst in unseren eigenen Häusern verwenden würden. Fensterlüfter gehören nicht dazu. Stattdessen empfehlen wir:

  • Bewusstes Stoßlüften – kostenlos und hocheffektiv
  • Dezentrale Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung – für bestehende Gebäude die beste Investition

Mehr zu diesem Thema finden Sie in unserem Artikel: Übermäßige Abdichtung von Gebäuden – Chancen und Risiken moderner dichter Fenster

Wann sind neue Fenster die Lösung?

Manchmal liegt das Problem tatsächlich bei den Fenstern selbst:

  • Alte Zweifachverglasung mit hohem U-Wert (über 1,1 W/m²K) – die Scheiben werden sehr kalt
  • Aluminium-Abstandhalter statt „warmer Kante“ – Kondensation am Scheibenrand
  • Beschädigte Dichtungen – ungleichmäßige Temperaturen am Fenster
  • Defekte Glasversiegelung – Feuchtigkeit zwischen den Scheiben (hier hilft nur Glasaustausch)

Moderne Dreifachverglasung mit einem Ug-Wert von 0,5–0,7 W/m²K und warmem Randverbund bleibt auch bei Minusgraden auf der Innenseite warm genug, um Kondensation zu minimieren.

Mehr zur Auswahl der richtigen Fenster erfahren Sie hier: Wie soll man Fenster richtig wählen?

Häufige Fragen zur Kondensation (FAQ)

Ist Kondensation an neuen Fenstern ein Reklamationsgrund?

In der Regel nein. Kondensation auf der Raumseite der Scheibe ist ein physikalisches Phänomen, das von der Luftfeuchtigkeit im Raum abhängt – nicht von einem Fensterfehler. Nur wenn sich Feuchtigkeit zwischen den Scheiben bildet (defekte Versiegelung), liegt ein Produktmangel vor.

Warum hatten wir bei alten Fenstern keine Kondensation?

Alte Fenster waren undicht. Die Feuchtigkeit entwich ständig durch Ritzen – zusammen mit Ihrer teuer bezahlten Heizungswärme. Sie hatten keine Kondensation, aber deutlich höhere Heizkosten und Zugluft. Moderne dichte Fenster sind ein Fortschritt, erfordern aber ein bewusstes Lüftungsverhalten.

Hilft ein Luftentfeuchter?

Ein elektrischer Luftentfeuchter kann helfen, bekämpft aber nur das Symptom. Er verbraucht Strom und muss regelmäßig geleert werden. Besser ist es, die Ursache anzugehen: regelmäßiges Lüften und Feuchtigkeitsquellen reduzieren. In besonders feuchten Räumen (Keller, Waschküche) kann ein Entfeuchter trotzdem sinnvoll sein.

Kondensation außen auf der Scheibe – ist das schlimm?

Nein, im Gegenteil! Kondensation auf der Außenseite der Scheibe ist ein Zeichen für sehr gute Wärmedämmung. Es bedeutet, dass so wenig Wärme nach außen dringt, dass die Außenscheibe kalt genug wird, um Tau aus der Außenluft anzuziehen. Das ist besonders bei Dreifachverglasung in klaren, kühlen Nächten normal.

Zusammenfassung: Das Wichtigste auf einen Blick

ProblemUrsacheLösung
Kondensation auf InnenseiteZu hohe LuftfeuchtigkeitStoßlüften, Feuchtigkeitsquellen reduzieren
Kondensation am ScheibenrandKalter RandverbundGlas mit „warmer Kante“ erwägen
Kondensation zwischen ScheibenDefekte GlasversiegelungGlasaustausch
Kondensation nur an einem FensterFalsche BeschlageinstellungBeschläge einstellen lassen
Kondensation auf AußenseiteSehr gute DämmungKein Problem – alles richtig gemacht!

Haben Sie Fragen zu Ihren Fenstern oder möchten Sie wissen, ob ein Fensteraustausch in Ihrem Fall sinnvoll wäre? Kontaktieren Sie uns – wir beraten Sie ehrlich und ohne Verkaufsdruck.

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