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Dichte Fenster und frische Luft? So geht’s – Erfahrungen aus meinem eigenen Haus

Wer neue Fenster kauft, will Energie sparen und Zugluft vermeiden. Doch was passiert mit der Frischluft? Viele Ratgeber empfehlen Fensterlüfter – wir nicht. In diesem Artikel erkläre ich, warum wir bei Norta keine Fensterlüfter empfehlen und welche Lösung wir stattdessen in unserem eigenen Haus umgesetzt haben.

Das Dilemma: Dichte Fenster vs. frische Luft

Moderne Fenster sind dicht – und das ist gut so. Sie halten die Wärme im Haus, senken die Heizkosten und schützen vor Lärm. Doch diese Dichtheit hat eine Kehrseite: Die alte „automatische“ Lüftung durch undichte Fenster funktioniert nicht mehr.

Früher sorgten Ritzen und Spalten in alten Holzfenstern für einen ständigen Luftaustausch. Das war ineffizient (die Wärme entwich), aber die Luft war frisch. Mit modernen dichten Fenstern steht man vor einer Entscheidung:

  • Option 1: Fenster regelmäßig öffnen – effektiv, aber erfordert Disziplin
  • Option 2: Fensterlüfter einbauen – „automatisch“, aber problematisch
  • Option 3: Lüftung mit Wärmerückgewinnung – die intelligente Lösung

Warum wir keine Fensterlüfter empfehlen

Fensterlüfter (Fensterfalzlüfter) werden oft als Standardlösung angepriesen. Die Bauvorschriften (DIN 1946-6) verlangen in Neubauten eine „nutzerunabhängige Lüftung“ – und Fensterlüfter erfüllen diese Norm auf dem Papier.

Das Problem: Sie machen ein Loch in Ihr dichtes Fenster. Genau das Fenster, für dessen hervorragende Dämmeigenschaften Sie bezahlt haben.

AspektFensterlüfterRealität
VersprechenAutomatische FrischluftzufuhrMinimaler Luftaustausch, oft unzureichend
Wärmeverlust„Gering“Kontinuierlich, 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr
Lärmschutz„Kaum beeinträchtigt“Schall dringt durch die Öffnung
PraxisWartungsfreiViele Bewohner stopfen sie mit Watte zu
Fensterlüfter: Versprechen vs. Realität

Die Ironie: Menschen kaufen teure Fenster mit Dreifachverglasung und warmer Kante, um Energie zu sparen – und installieren dann eine permanente Öffnung. Das ist, als würde man eine Winterjacke kaufen und die Taschen herausschneiden.

Unsere Position: Bei Norta empfehlen wir nur Lösungen, die wir selbst verwenden würden. Fensterlüfter gehören nicht dazu. Wenn ein Kunde sie wünscht, liefern wir sie – aber wir raten aktiv davon ab.

Die Alternative: Dezentrale Lüftung mit Wärmerückgewinnung

Es gibt eine Lösung, die frische Luft liefert, ohne Energie zu verschwenden: Wärmerückgewinnung (Rekuperation). Das Prinzip ist einfach: Die Wärme der Abluft wird genutzt, um die einströmende Frischluft zu erwärmen.

Für bestehende Gebäude ist die dezentrale Variante besonders interessant. Anders als zentrale Lüftungsanlagen benötigt sie keine Kanäle durch das ganze Haus. Jedes Gerät arbeitet unabhängig in seinem Raum.

EigenschaftFensterlüfterDezentrale Wärmerückgewinnung
Wärmerückgewinnung0%70–90%
LuftaustauschMinimal, passivKontrolliert, aktiv
EnergieverlustKontinuierlichMinimal
FilterungKeineJa (Pollen, Staub)
LärmschutzBeeinträchtigtErhalten
Investition50–150 €600–1.200 € pro Gerät
Vergleich: Fensterlüfter vs. dezentrale Wärmerückgewinnung

Meine eigene Erfahrung: Mitsubishi Lossnay VL-50

Als Inhaber einer Fensterfirma stand ich vor derselben Entscheidung wie unsere Kunden. Beim Bau meines eigenen Hauses habe ich mich für dezentrale Lüftungsgeräte entschieden – konkret für den Mitsubishi Lossnay VL-50.

Warum Mitsubishi? Japanische Qualität, extrem leiser Betrieb und niedriger Energieverbrauch. Das Gerät verbraucht nur 5–7 Watt – weniger als eine LED-Lampe.

ParameterMitsubishi Lossnay VL-50
Luftleistungbis 51 m³/h
Wärmerückgewinnungbis 80%
Geräuschpegel (Stufe 1)unter 20 dB – praktisch unhörbar
Geräuschpegel (Stufe 2)ca. 26 dB – leises Rauschen
Stromverbrauch5–7 W
Wandöffnungca. 170 mm Durchmesser
Geräteabmessungen285 × 465 × 200 mm
Technische Daten Mitsubishi Lossnay VL-50

In meinem Haus habe ich vier Geräte installiert: in der Küche, im Wohnzimmer, im Schlafzimmer und im Kinderzimmer meiner Tochter im Obergeschoss.

Der Montageaufwand – ein ehrlicher Blick

Die Installation ist kein Wochenendprojekt für Heimwerker. Für jedes Gerät muss ein Loch von etwa 170 mm Durchmesser durch die Außenwand gebohrt werden. In meinem Fall war das eine besondere Herausforderung.

Meine Wandkonstruktion:

  • 25 cm Keramikblock
  • 6 cm Luftschicht
  • 12 cm Lochziegel
  • 12 cm Styropor-Dämmung
  • Gesamt: fast 50 cm

Um durch eine solche Wand zu bohren, braucht man professionelles Gerät: eine Diamantkernbohrmaschine auf einem Ständer. Die Arbeit ist laut und staubig, aber präzise – ohne die Umgebung zu beschädigen.

Blick durch eine perfekt runde Kernbohrung in einer Hochlochziegelwand, die die Struktur des Mauerwerks und das Tageslicht auf der anderen Seite zeigt.

Die Diamantkernbohrmaschine auf dem Ständer sorgt für präzise Schnitte durch verschiedene Wandschichten.

Die Bohrung durch fast 50 cm Wand erfordert Erfahrung und das richtige Werkzeug. Gehörschutz ist Pflicht.

Blick durch eine frisch gebohrte, runde Kernbohrung in einer dicken Ziegelwand, die den Querschnitt der Mauersteine und den Ausblick nach draußen zeigt.

Das fertige Bohrloch: 170 mm Durchmesser, fast 50 cm tief. Durch den Tunnel sieht man das Tageslicht von außen.

Präzise, runde Kernbohrung in einem grauen Strukturputz an der Außenfassade eines Gebäudes.

Der Auslass an der Fassade: eine dezente Abdeckung, die aus wenigen Metern Entfernung kaum auffällt.

Das fertig montierte Gerät im Wohnzimmer. Kompakt und unauffällig – passt auch zu klassischer Einrichtung.

Was hat sich verändert?

Nach der Installation habe ich einen deutlichen Unterschied bemerkt – besonders morgens im Schlafzimmer.

AspektVorherNachher
Luftqualität am MorgenStickig, „schwere“ LuftFrisch, angenehm
Kondenswasser an FensternRegelmäßig im WinterDeutlich reduziert
Notwendigkeit zu lüften2–3 Mal täglich PflichtOptional, wenn gewünscht
GeräuschpegelAuf Stufe 1 praktisch unhörbar
HeizkostenKeine spürbare Veränderung (Wärmerückgewinnung)
Meine persönlichen Erfahrungen vor und nach der Installation

Der größte Vorteil? Ich wache nicht mehr mit Kopfschmerzen auf. Die CO₂-Konzentration im Schlafzimmer bleibt niedrig, weil die Luft kontinuierlich ausgetauscht wird – ohne dass ich mitten in der Nacht das Fenster öffnen muss.

Die Kosten – eine ehrliche Rechnung

Ich will nichts beschönigen: Dezentrale Lüftung ist eine Investition.

PositionKosten (ca.)
Mitsubishi VL-50 (pro Gerät)600–800 €
Kernbohrung und Montage (pro Gerät)200–400 €
Gesamt pro Raum800–1.200 €
Typisches Haus (4 Geräte)3.200–4.800 €
Investitionskosten dezentrale Lüftung

Zum Vergleich: Fensterlüfter kosten 50–150 € pro Stück. Aber sie liefern keine Wärmerückgewinnung, keinen Filter und verursachen dauerhafte Wärmeverluste.

Die Rechnung über 10 Jahre:

LösungInvestitionJährliche Wärmeverluste10-Jahres-Kosten
Fensterlüfter (4 Stück)400 €ca. 200–400 €2.400–4.400 €
Dezentrale Rekuperation (4 Geräte)4.000 €ca. 20–50 € (Strom)4.200–4.500 €
Kostenvergleich über 10 Jahre

Langfristig ist der Unterschied gering – aber mit Rekuperation haben Sie frische, gefilterte Luft und keinen Wärmeverlust. Mit Fensterlüftern haben Sie eine permanente Öffnung in Ihrem dichten Fenster.

Für wen ist diese Lösung geeignet?

SituationEmpfehlung
Neubau mit zentraler Lüftung geplantZentrale Rekuperation (effizienter)
Bestehendes Haus, keine Kanäle möglichDezentrale Rekuperation ✓
Wohnung in MehrfamilienhausDezentrale Rekuperation ✓
Denkmalgeschütztes GebäudeDezentrale Rekuperation ✓ (minimaler Eingriff)
Knappes BudgetKonsequentes Stoßlüften (kostenlos)
Empfehlungen je nach Situation

Häufige Fragen

Ist das Gerät hörbar?

Auf Stufe 1 praktisch nicht. Ich habe ein Gerät im Schlafzimmer und schlafe problemlos. Auf Stufe 2 hört man ein leichtes Rauschen – vergleichbar mit einem leisen Computerventilator.

Zieht es aus dem Gerät?

Nein. Das ist der große Unterschied zu Fensterlüftern. Das Gerät hat einen Wärmetauscher, der die einströmende Luft vorwärmt. Sie spüren keinen kalten Luftzug.

Wie oft muss man die Filter wechseln?

Alle 3–6 Monate reinigen (aussaugen oder auswaschen), einmal jährlich austauschen. Die Filterkosten liegen bei etwa 20–40 € pro Jahr und Gerät.

Kann ich das selbst installieren?

Die Kernbohrung nicht – dafür brauchen Sie Spezialwerkzeug und Erfahrung. Die Montage des Geräts selbst ist mit handwerklichem Geschick machbar, aber ich empfehle einen Fachmann.

Funktioniert das auch im Altbau?

Ja, besonders gut sogar. Im Altbau ist eine zentrale Lüftung mit Kanälen meist nicht realisierbar. Dezentrale Geräte sind hier oft die einzige sinnvolle Option für kontrollierte Lüftung.

Mein Fazit

Nach zwei Jahren mit dezentraler Lüftung im eigenen Haus kann ich sagen: Es war die richtige Entscheidung. Frische Luft rund um die Uhr, keine beschlagenen Fenster, besserer Schlaf – ohne dass ich im Winter die Fenster aufreißen muss.

Ist es billig? Nein. Aber es ist eine Investition in Lebensqualität und Gesundheit. Und im Vergleich zu den versteckten Kosten von Fensterlüftern (Wärmeverlust, Zugluft, Lärm) rechnet es sich langfristig.

Mein Rat: Wenn Sie neue Fenster kaufen und über Lüftung nachdenken – sprechen Sie mit uns. Wir verkaufen Ihnen gerne Fensterlüfter, wenn Sie das wünschen. Aber wir werden Ihnen ehrlich sagen, dass wir sie selbst nicht verwenden würden.

Haben Sie Fragen zur dezentralen Lüftung? Kontaktieren Sie uns – ich erzähle Ihnen gerne mehr über meine Erfahrungen.

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